Ist BDSM gesellschaftsfähig?

In der heutigen Zeit wird gleichgeschlechtliche Liebe nicht mehr als Krankheit oder Abartigkeit angesehen.

Öffentlich
25. Juli 2010
Ist BDSM gesellschaftsfähig?

(Hatte ich irgendwann mal für die Zeitung geschrieben und jetzt wieder gefunden. Vielleicht fällt euch ja dazu noch etwas ein)

In der heutigen Zeit wird gleichgeschlechtliche Liebe nicht mehr als Krankheit oder Abartigkeit angesehen. Es wird von der Gesellschaft zum größten Teil akzeptiert und toleriert.

Wie sieht es aber mit der Neigung zum BDSM aus?
B = Bondage (Fesselung)
D = Disziplin und Dominanz
S = Submission (Unterwerfung) und Sadismus
M = Masochismus

Es gibt Paare, die vielleicht nur auf Fesselspiele stehen. Dann gibt es Leute, bei denen Unterwerfung und Dominanz im Vordergrund stehen. Wieder andere sind sado/ oder masochistisch veranlagt. Und wieder andere beziehen alle Komponenten mit ein.

Es ist ein sehr weitläufiges Feld der sexuellen Spielart, welches jeder anders definiert und handhabt. Kein BDSM Paar wird seine Neigung genau so ausleben, wie ein Anderes.

Sadomasochismus wird aber immer noch in der ICD Codeliste als Krankheiten geführt. Hier die entsprechenden Auszüge:

Sadomasochismus (F65.5)

Es werden sexuelle Aktivitäten mit Zufügung von Schmerzen, Erniedrigung oder Fesseln bevorzugt. Wenn die betroffene Person diese Art der Stimulation erleidet, handelt es sich um Masochismus; wenn sie sie jemand anderem zufügt, um Sadismus. Oft empfindet die betroffene Person sowohl bei masochistischen als auch sadistischen Aktivitäten sexuelle Erregung.
Masochismus Sadismus
Multiple Störungen der Sexualpräferenz (F65.6)
In manchen Fällen bestehen bei einer Person mehrere abnorme sexuelle Präferenzen, ohne dass eine im Vordergrund steht. Die häufigste Kombination ist Fetischismus, Transvestitismus und Sadomasochismus.

Rechtslage in Deutschland

Seit 1. Januar 2004 müssen gesetzlich vorgeschrieben auch im ambulanten Bereich Diagnosen nicht mehr fallbezogen, sondern personenbezogen an die gesetzlichen Krankenkassen für die Abrechnung weitergegeben werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Neigungen von BDSMler bei deren Krankenkasse gespeichert werden.

Kritik an der ICD-10

Kritiker werfen der ICD vor, Sexualpräferenzen als Krankheit zu definieren (Sadomasochismus, Fetischismus, Transvestitismus) ohne dass sie überhaupt behandlungsbedürftig sind. Daneben besteht in Deutschland die Befürchtung, zum gläsernen Patienten zu werden und dass die individuellen sexuellen Neigungen gespeichert und weitergegeben werden.
Ein internationales Projekt, ReviseF65, setzt sich dafür ein, die Klassifikationen grundliegend zu ändern.

Im ersten Absatz wird von erleiden gesprochen und das ist genau der Irrglaube, der immer noch in den Köpfen der Menschen herum geistert.

Ist ein Mensch masochistisch veranlagt, dann leidet er in der Regel nicht unter den Handlungen. Ganz im Gegenteil. Es geschieht alles im gegenseitigen Einverständnis und es muss ein sehr großes Vertrauen zwischen den Handelnden herrschen. Man gibt seinen Körper und seine Seele in die Hand eines anderen Menschen, dem man blind vertraut und der mit diesem Vertrauen umzugehen weiß.

In der Regel werden vorher Absprachen getroffen über Grenzen und Tabus. An diese haben sich beide Seiten zu halten. Natürlich tastet man sich auch langsam an bestehende Grenzen heran, aber nur bei gegenseitigem Einverständnis und ohne Außenstehende mit einzubeziehen oder zu belästigen.

Dann ist die Rede von Multiple Störungen der Sexualpräferenz. Handelt es sich hierbei wirklich um eine Störung? Ist es nicht viel mehr die Intoleranz der Gesellschaft, die es so aussehen lässt?

Es gibt viele Paare, die erst im reifen Alter ihre Neigung zu dieser sexuellen Spielart feststellen und akzeptieren. Viele versuchen es zu unterdrücken, weil sie glauben, dass das nicht normal, pervers oder gar krankhaft ist. Diese Menschen werden allerdings immer das Gefühl haben, dass ihnen etwas Entscheidendes im Leben fehlt.

So ging es auch mir! Als mein Mann seine Dominanz vorsichtig zum Ausdruck brachte, begann ich an seinem Verstand zu zweifeln, bis ich sehr schnell merkte, dass es genau das war, was ich all die Jahre in unserer Beziehung vermisst hatte.

Im „normalen“ Leben war ich immer die Starke, Dominante und nun sollte ich die Schwache sein? Im ersten Moment unvorstellbar! Jahrelang hatten Frauen für die Emanzipierung gekämpft und mich erregte es mich ihm zu unterwerfen?

10 Jahre habe ich mit meinen Gefühlen gekämpft, aber immer noch werde ich/wir als krank eingestuft. Wann sind wir endlich gesellschaftsfähig?

Luna
25. Juli 2010
gesellschaftsfähig?

ich treibe mich viel rum,auch in der sz und da denke ich wirklich manchmal...HALLO..das ist krank
aber letzt endlich endscheidet jeder für sich selber,so wie ich auch und solange ich damit keinen anderen belästige oder schade,ist alles erlaubt
25. Juli 2010
Meiner Meinung

nach noch nicht wirklich.
Die Versuche die gemacht werden und die Ansätze sind sehr gut.
Zb. als Organisation Smart Reihn Ruhr
eine Verbindund die über das ganze ruhrgebiet geht und die auch auf vielen Veranstaltungen presend ist
und sich vorstellt
Genauso die einigen Junend Gruppen unter 18 ist ein guter Ansatz
Oder im Kulturbereich zb H. Tutting mit seinen veranstaltungen einfach toll.

Die Schwullen Szene hat es ja vorgemacht und ist heute anerkannt.
Vieleicht nein mit sicherheit werden wir auch dahin kommen.
Und auch der Joy und sich über das Tehma so offen Auszutauschen
ist ein Schritt nach vorne.

Gunter
25. Juli 2010

Nur es erreicht so wenige!
25. Juli 2010
gesellschaftsfähig?

ist es noch lange nicht!!!
ok,selbst meine familie weiß ich ticke.zum größten teil wird es ignoriert und sie reden sich selber ein ein das die haken in meine decke nur zum aufhängen irgendwelcher blumenampeln sind..lach
und dann gibt es noch menschen die sich verstecken,aus beruflichen gründen..diese ohne kopf fotos
gesellsachaftsfähig ist bdsm noch lange nicht.fast jeder will es ,tut es,aber kaum einer steht dazu.
25. Juli 2010

Ja Salice und genau darin sehe ich das Problem!

Würden mehr Menschendazu stehen, was sie tun, dann wäre es vielleicht einfacher.
25. Juli 2010
Alles eine Frage des Standpunktes

Ich kam,las und dachte....an Jürgen von der Lippe:

"Millionen Männer leiden unter vorzeitigem Samenerguß"


Ruhe im Saal..



"So´n Quatsch..wer leidet denn ?"

*g*


Gesellschaftsfähig ist im Regelfalle,was der breiten Masse keine Angst macht.
Dagegen hilft nur Öffentlichkeit und Transparenz.

Vor rund 50 Jahren galt Homosexualität noch als Krankheit..und es gab diverse "Behandlungsmethoden".

Als aufgeklärter Mensch von heute,weiß ich, das dies alles so nicht stimmt..es ist eine sexuelle Präferenz..ähnlich wie BDSM eben auch.

Irgendwann wird auch das als weitgehend normal anerkannt sein,bis dahin braucht es vielleicht einfach noch etwas Geduld unsererseits.

Ich frage mich gerade selber recht ernsthaft..hätte ich vor 50 Jahren meinem Sohn den Kontakt mit Schwulen gestattet?
Da ich ihn vor "Ansteckung" hätte schützen wollen,wohl eher nicht.

Rückblickend haben sich einfach in den letzten 20 Jahren überraschend viele,mit beiden Beinen im Leben stehende Männer dazu bekannt schwul zu sein..und so gezeigt das Schwul nicht "schlimm" ist.

Die meisten BDSMler benehmen sich leider auch heute noch recht Öffentlichkeitsscheu..Profilbilder mit Gesicht sehe ich zb. immer noch recht selten.
Wenn aber die "Angst vor Entdeckung" und Verurteilung noch so tief sitzt..wo soll sie dann herkommen,die Akzeptanz?
25. Juli 2010
@marustra

ok,wir warten noch 50 jahre...lach
ich habe nicht nur die feststellung gemacht das sich sich menschen nicht nur wegen ihrer bdsm neigung verstecken,es fängt schon beim swingen an.
die 50 jahre wirst du noch warten müßen,denn ich kenne beamte/ectr. die fahren hunderte km um nicht erkannt zu werden.
25. Juli 2010
@salice

Stimmt,da gebe ich dir Recht.

Aber genau da,liegt doch auch das Problem.

Was ist denn so schlimm an uns,das wir uns verstecken müssen?
25. Juli 2010

Was ist denn so schlimm an uns,das wir uns verstecken müssen?

Wir sind krank und pervers, weil wir nicht in die Gesellschaftsnorm passen!

Jahrelang haben die Emanzen für die Gleichberechtigung der Frauen gekämpft und wir lassen uns freiwillig von Männern den Popo versohlen, ordnen uns unter und, und, und!

Ich glaube das ist für viele Menschen zu unvorstellbar.
25. Juli 2010
HMM

also ich verstecke mich nicht und ich finde auch nichts schlimmes an mir.seit dem ich zu mir stehe, genieße ich es um so mehr
und ich kann jedem nur den rat geben,schaut in den spiegel,lächlt euch an,lebt was ihr fühlt und irgendwann wird bdsm gesellschaftsfähig *g*
25. Juli 2010

Genauso mache ich es auch, Salice! Ich denke das ist der einzig richtige Weg um glücklich zu werden!

Ich kenne zB. sehr viele Subs, die ihren Ring und ihre Kette nicht öffentlich tragen, weil sie Angst haben erkannt zu werden.

Ich trage sie jeden Tag, eben in der Hoffnung erkannt zu werden und darauf angesprochen zu werden.

Ich binde es natürlich auch nicht jedem auf die Nase, gebe aber bereitwillig Audkunft, wenn ich danach gefragt werde.
25. Juli 2010
Das witzige daran..

..ist,wie oft ich jetzt schon in letzter Zeit auf Bekannte aus dem Alltag gestoßen bin *g*

Gesellschaft..das sind doch wir.

Oder zumindest ein Teil davon.

Ganz ehrlich,ich laß mir das nicht madig machen und verstecken werde ich mich auch nicht.
Die Gesellschaft scheint mir,ehrlich gesagt,auch viel toleranter zu sein,als viele von uns das wahrhaben wollen.
Mich hat wirklich noch niemand schief angeschaut oder mir das Gefühl vermittelt ich sei pervers oder ähnliches.
Im Gegenteil..eigentlich reagieren die meisten Menschen eher neugierig auf das Thema,ich muß häufig erklären.

Die eigentliche Diskreminierung scheint mir in unseren eigenen Köpfen statt zu finden.
Ich erzähle jedem der es wissen will,das ich das als Teil meiner Sexualität betrachte..und habe den Eindruck das,wenn es für mich normal ist und auch so rüberkommt,es für mein Gegenüber auch als Normal zu akzeptieren ist.

"Anrüchig" und somit angreifbar machen wir uns doch selbst.
Solange wir uns nicht trauen und uns verhalten als gäbe es Gründe uns zu verstecken und dafür zu schämen,solange glaubt das doch auch jeder.

"Man weiß ja nicht,was die da tun..."

Ich entschuldige mich ja auch nicht dafür das ich Hardrock mag oder eine Vorliebe für einen bestimmten Autoren habe..wär ja noch schöner *g*

"Outen"..versucht es ruhig mal..meine Erfahrungen damit sind wirklich gut.
25. Juli 2010
JA

genau so sehe ich das auch.warum soll ich mich verstecken..ich liebe es
ich liebe mich, meinen körper,meine freizügigkeit!
das hat jetzt aber nichts mit poppen oder sonstiges zu tun,nicht das ihr mich falsch versteht.
am anfang war das garnicht so leicht.wer steht schon dazu; das er sich als normalo gerne verhaun lässt..aber die jahre streichen ins land und ich habe noch nicht eine sekunde bereut:-)
aber leider ist echt tatsache,das viele menschen mit ihren "ganz normalen" sexuellen ausrichtungen schon probleme haben.
25. Juli 2010
Genau..

..der tut nix..der will nur spielen *g*

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